Junge Menschen

Der „Franziskus-Escape-Room“

Ein Franziskus-Escape-Room als motivationale Lernumgebung mit erlebnispädagogischen Momenten als Grundlage für das Kennenlernen des Heiligen und seiner Wirkungsgeschichte – eine Freude für Jung und Alt in jeder Gemeinde.

Die meisten von Ihnen werden schon mal einen besucht haben: einen Escape-Room. Live-Escape-Games oder auch Live-Exit-Games sind weltweilt ein neuer und immer beliebter werdender Trend unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die ursprünglich aus Japan stammende Idee ist die reale Version von den sogenannten „Point-and-Click-Adventure“-Computerspielen, bei denen virtuell Gegenstände kombiniert und Rätsel gelöst werden müssen, um einen virtuellen Raum zu verlassen. Mittlerweile existieren für die reale Version mehr als 200 Anbieter in Deutschland. Die Grundidee und das Ziel aller Live-Escape-Rooms sind immer gleich: Die Spieler werden in einem Raum eingesperrt, eine Hintergrundgeschichte erläutert das Szenario, in dem sich die Spieler befinden. Eine Zeitspanne wird vorgegeben, innerhalb der die Gruppe entkommen muss. Ziel ist es aus dem Raum zu entkommen.

Und so sehen sich die Spieler in so manchem Raum vor die Herausforderung gestellt, die Welt vor einem gefährlichen Virus zu retten, einem Ermittler bei der Aufklärung einer Mordserie zu helfen oder einen im Dschungel verschwundenen Forscher zu finden.

Warum nicht auch mal die Geschichte eines Heiligen

Im Hinblick auf eine anstehende Jugendfahrt nach Assisi wollte ich Jugendlichen aus dem Pastoralen Raum Dortmund-Nordost den Heiligen Franziskus nahebringen, sodass sie zum einen bereits vor der Fahrt ein Grundwissen über Franziskus haben und zum anderen das Patronat einer Gemeinde aus dem Pastoralen Raum kennenlernen und somit auch die Eigenheiten (z.B. bauliche Gestalt der Kirche) verstehen.

Da ich es langweilig gefunden hätte, ein Referat über Franziskus zu halten oder mit den Jugendlichen stumpf Texte zu lesen oder ein Film zu gucken, musste was anderes her. Ein Quiz-Spiel konnte ausgeschlossen werden, da sie ja noch keine Fragen über die unbekannte Gestalt des Franziskus beantworten hätten können.

Jedoch waren wir als Gruppe vor kurzem in einem Escape-Room, was für die Jugendlichen ein riesen Spaß war und so dachte ich mir: „Nutz diesen Trend!“ So entwickelte ich die fiktive Story eines Verlieses, in dem die original Dokumente und Hinterlassenschaften des Heiligen seit Jahrhunderten versteckt wurden. Dieses Verlies geriet in Vergessenheit und wurde nun wiederentdeckt, jedoch weißt es die Tücke auf, dass es sich beim Hineingehen verschließt und nur wieder verlassen werden kann, wenn das Leben des Heiligen rekonstruiert wird – es sind auch schon Personen in dem Verließ umgekommen (ich habe ein Skelett aus einer Schule in den Raum gelegt, um den Nervenkitzel zu erhöhen). So fing ich an, in der Gemeinde Truhen, Kisten und Schlösser zu sammeln, Walkie-Talkies bei den Pfadfindern zu leihen und Webcams von Freunden zu borgen. Es wurde ein fiktives Tagebuch geschrieben, die Geburtsurkunde des Franziskus gefälscht und persönliche Gegenstände besorgt (z.B. das Kettenhemd, das er dem armen Ritter schenkte, seine Kleidung, die er seinem Vater zurück gab, Binden, mit denen er die Aussätzigen behandelte). Es entstand ein Raum im Pfarrzentrum, der nun die Geschichte des Heiligen teilnehmerorientiert und unterhaltsam erzählen konnte. Neben der „anregenden Lernumgebung“, der Motivation, den Raum erfolgreich zu bespielen, die individuelle Aktivierung durch das gemeinsame Rätseln, Kombinieren und Suchen sowie der sich darin vollziehenden Gruppenerfahrung erhoffte ich mir, dass der Inhalt (Leben des Heiligen) durch den Plot (die fiktive Hintergrundgeschichte) und den Raum für die Teilnehmerinnen interessant vermittelt wird.

Das Pastoralteam als Versuchskaninchen

Als erstes bespielte das Pastoralteam den neuen Escape-Room. Mit 48,23 Minuten haben sie eine ordentliche Zeit vorgelegt, die aber die jungen Leute unterboten. Neben der Jugendgruppe sind auch andere Gruppen aus unserem Raum (Messdiner, Familien) in die Franziskus-Gemeinde gereist, um den Raum zu bespielen.

Schnell kam die Idee auf, auch in den anderen Gemeinden einmal einen Raum zu installieren, der das Patronat der hiesigen Gemeinde behandelt. Auch gab es bereits einen „Sonderraum“ zu einem „Tag der Jugend“ in unserem Pastoralen Raum. An diesem Tag waren die Jugendlichen auf der Suche nach dem Heiligen Gral.

 

Was wird gebraucht?

Zugegebenermaßen wird für einen solchen Raum sehr viel benötigt, jedoch nichts, was sich nicht in einem Pastoralen Raum finden lässt. Truhen und Kisten, verschiedene Schlösser, „alte Gegenstände“, Walkie-Talkies, Kameras/Webcams, verschiedener Schrott, der im Raum ist, jedoch nichts zu Geschichte beiträgt und eben Dinge, die die Geschichte eines Heiligen erzählen können, also fiktive Tagebücher, Kleidung, Bibelstellen, Bilder etc. Zudem wird ein Raum benötigt, den man über einen längeren Zeitraum belegen kann, sodass sich der Aufwand lohnt.

Wenn man all diese Dinge und Rahmenbedingungen hat, muss nur noch eine Rätselstruktur entwickelt werden. Damit man eine Vorstellung davon bekommt, beschreibe ich zwei Rätsel aus dem Franziskus-Escape-Room:

Das erste Rätsel im Raum half beim Finden des Tagebuches. Um das Tagebuch zu finden, so gab ein Hinweiszettel an, müsse man das Lieblingszeichen des Heiligen Franziskus kennen (Tau), welches in einer bestimmten Reihe stehet (griechisches Alphabet) und seine Nummer mit 121 addieren. Die Teilnehmer mussten somit den Hinweiszettel sowie ein griechisches Alphabet finden, zudem erkennen, dass auf ganz vielen Dokumenten, die im Raum verteilt sind, ein Tau abgebildet ist (zudem gab es auch einen weiteren versteckten Text, der das Tau erklärt). Wenn die Jugendlichen jetzt die 121 + 19 addieren (das Tau steht an der 19. Stelle im griechischen Alphabet), kommen sie auf 140. Diese 140 müssen Sie jetzt an dreistelligen Zahlenschlössern ausprobieren.

Eine andere Rätselform war es, persönliche Gegenstände des Heiligen, die im Raum verteilt lagen, mithilfe des Tagebuches in die richtige chronologische Reihenfolge zu bringen (die Gegenstände symbolisierten fünf Bekehrungsmomente des Heiligen). Auf den Gegenständen wiederum waren Symbole angebracht, die mit Hilfe einer Tafel gelesen werden konnten und sodann ein weiteres Schloss öffneten.

Nur zu empfehlen

Der Franziskus-Escape-Room war ein halbes Jahr für Gruppen geöffnet und ein voller Erfolg. Viele hatten Freude an dem Raum und konnten so auch das Patronat unserer Franziskusgemeinde kennenlernen. Alle waren motiviert die Zeit der anderen zu unterbieten und konnten trotz des Zeitdrucks und dem Versuch, alles so schnell wie möglich zu lösen, viele Informationen über den Heiligen mit hinausnehmen.

Ein solcher Raum wird definitiv auch in den anderen Gemeinden unseres Raumes zu den jeweiligen Patronaten ausprobiert.

Stefan Kaiser
Gemeindeassistent
Pastoraler Raum Dortmund Nord-Ost
Tel.: 0231 53011331
Email: S.Kaiser@kirche-dortmund-nordost.de