Spiritualität und Glaube

Jeder Tag ein ganzes Leben

Jeden Tag ein ganzes Leben Beim Deutschen Katecheten-Verein (München) erscheint Ende Mai 2009 ein Buch mit spirituellen Impulsen und Anregungen zur Begleitung von sterbenden und trauernden Menschen mit geistiger Behinderung. Verfasser des Buches mit dem Titel "Jeder Tag ein ganzes Leben" ist Christoph Breuers. Es umfasst 112 Seiten mit farbigen Abbildungen und kostet 12,90 EUR.

Gestützt auf seine langjährige Erfahrung hat Christoph Beuers dieses Werkbuch zusammengestellt - ein einfühlsames und hoffnungsvolles Buch mit beeindruckenden Texten und Bildern – und mit einem Geleitwort von Bischof Franz Kamphaus: "Man kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben."

Dr. Wilhelm Albrecht, bis April 2005 Direktor des Religionspädagogischen Zentrums in Bayern und von 1996 bis 2007 Schriftleiter der Katechetischen Blätter, hat das Buch beim Vertretertag des DKV sehr eindrücklich vorgestellt:

Ich möchte Ihnen von einem Buch erzählen, das mich über die Maßen berührt hat. Und wenn ich heute darin blättere und lese, komme ich wieder ganz nahe an existentielle Fragen der Wertschätzung meines Lebens im Angesicht des Todes heran.

Damit sage ich insbesondere: Dieses Buch ist nur auf den ersten Blick so, dass man es in das Regal für Spezial- und Sonderfälle stecken möchte. Das hängt mit dem Untertitel zusammen: „Spirituelle Impulse und Anregungen zur Begleitung von sterbenden und trauernden Menschen mit geistiger Behinderung“. Aber schon auf den zweiten Blick, wenn man sich nur ein wenig in die Texte und Bilder vertieft, zeigt sich seine außerordentliche Bedeutung. Denn jeder von uns, der im Leben steht und mit wachen Augen anschaut, was ihm begegnet, bleibt von der Erfahrung nicht verschont, mit schwerwiegenden Einschränkungen zurecht kommen zu müssen. Sei es im familiären Rahmen, im weiteren Lebensumfeld oder auch bei sich selbst.

Grenzen, Beschränkungen, Einschnitte, Abschiede machen einfach ein Stück Lebensrealität aus. Wenn dann noch Tod und Trauer hinzukommen, sind wir unversehens wortkarg, sprachlos oder bestenfalls stammelnd. Wir sind dann von den alltäglichen Formen der Normalität abgeschnitten. Ein: „Weiter so wie bisher“ geht nicht, denn da stehen wir vor einem Scherbenhaufen. Zwei Auswege gibt es: zu verzweifeln und zu resignieren oder dennoch zu hoffen. Christen setzen auf die Karte der Hoffnung, des logos, des Sinngrundes. Auch wenn sie sich bei solchen Erfahrungen gefühlsmäßig im freien Fall befinden und sich ausgeliefert fühlen, vertrauen sie auf die bergende Hand Gottes.

Christoph Beuers, der Autor des Buches, ist Seelsorger in Aulhausen. Er geht  täglich mit schwerst- und mehrfach behinderten Menschen um und ist mit dem Personal der Einrichtung zusammen. Beuers stellt sich immer wieder der Probe, der Herausforderung, menschliches Leben in Todesnähe zu begleiten und zu unterstützen. Das ist sein Milieu. Es geht um die Herausforderung, Menschen mit massiven körperlichen oder mentalen Einschränkungen beizustehen und mit ihnen bis zur Grenze des Abgründigen zu gehen. Ich finde, es gelingt ihm, verstörte oder aufgewühlte Herzen zu beruhigen und ihnen Zuversicht zu vermitteln.

Das Buch durchziehen zwei Ebenen: die erste Ebene habe ich noch nirgends so wahrgenommen wie bei Christoph Breuers: er findet behutsame Zugänge, sich in die Betroffenen in einer Art Ich-Perspektive einzufühlen. Wir werden an die Seite ihrer Gefühle, Fragen, Ahnungen, Gedankenspuren herangeführt und gewinnen tatsächlich einen tieferen und sehr, sehr nahen Blick für menschliche Wirklichkeiten. Auf der zweiten Ebene lässt er uns teilhaben an Formen der Bewältigung und des Tröstens, an Segnungs- und Feierstunden, die die Umstehenden zu einer Gemeinschaft der Getrösteten zusammenschließen. Gerade dieser wiederholte Wechsel der Ebenen macht das Besondere dieses Buches aus.

Das alles ist im besten Sinne beispielhaft elementarisiert, in Wortfindung und Sprache, in den Gesten und Riten, in den Bildern von Himmel und Ewigkeit und in den Texten, die er aus der Bibel herholt, um zu trösten und hoffen zu lassen. Er sagt das Schwere leicht. Damit führt dieses Buch, dessen Herausgabe dem DKV besonders am Herzen liegt, weit über einen Sonderfall, meinetwegen an geistiger Behinderung hinaus, in das, was alle Menschen umtreibt und bewegt.